Defoliation (Entlaubung) während der Blüte: Detaillierte Anleitung zur Ertragssteigerung

Über die Defoliation, also das Entfernen von Blättern während der Blüte, gibt es unter Growern viele unterschiedliche Meinungen. Einige Grower schwören auf diese Technik und behaupten, dass das Entfernen bestimmter großer Blätter die Erträge steigert und die Luftzirkulation verbessert. Andere Anbauer sind wiederum überzeugt, dass Pflanzen ohne Eingriffe am besten gedeihen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Eine fachgerecht durchgeführte Defoliation kann die Menge an Wirkstoffen in den Blüten der unteren Etagen erhöhen und hilft, Schimmel vorzubeugen. Eine übermäßige oder falsch getimte Entlaubung kann den Pflanzen dagegen schaden.

Auf den ersten Blick könnte es so wirken, als müsse das Abzupfen von Blättern den Pflanzen zwangsläufig schaden. Blätter sind für die Fotosynthese, den Gasaustausch und die Verdunstung von Wasser unverzichtbar. Entfernen Sie zu viele davon, verlangsamen Sie dadurch den Stoffwechsel der Pflanzen, und sie wachsen langsamer. Andererseits ist erwiesen, dass die Bildung sekundärer Metaboliten (Terpene, Wirkstoffe, ätherische Öle, Flavonoide) direkt von der Intensität des einfallenden Lichts beeinflusst wird. Daher ist es üblich, dass Blüten in den unteren und schattigen Etagen der Pflanzen eine geringere Wirkstoffkonzentration aufweisen als jene an den Spitzen, die direktem Licht ausgesetzt sind. Studien zufolge lässt sich durch eine vorsichtige Entlaubung zu Beginn der Blüte eine deutliche Erhöhung der Konzentration sekundärer Metaboliten in den unteren Pflanzenteilen erreichen, ohne die Gesamtbiomasse drastisch zu reduzieren oder das Wachstum zu verlangsamen (1).

Anleitung zur Defoliation während der Blüte

Diese Technik zum Entfernen von Blättern können Sie sowohl beim Indoor- als auch beim Outdoor-Anbau bei photoperiodischen und selbstblühenden Pflanzen anwenden.

Der richtige Zeitpunkt: Der beste Zeitpunkt für eine gezielte Entlaubung ist gekommen, wenn an den Pflanzen die ersten Knospen sichtbar werden. Beim Indoor-Anbau ist dies ungefähr zwei bis drei Wochen nach der Umstellung auf den Blütezyklus mit 12/12 der Fall, beziehungsweise 3–5 Wochen nach dem Keimen des Saatguts bei selbstblühenden Sorten. Photoperiodische Sorten, die bei uns im Freien angebaut werden, beginnen im August mit dem Übergang in die Blüte.

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Welche Blätter entfernt werden sollten: Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf große Fächerblätter, die die zukünftigen Blüten beschatten, sowie auf jene, die sich im dichten Inneren der Pflanze verstecken, kein Licht abbekommen und den freien Luftstrom behindern. Nach dem Eingriff sollte die Pflanze insgesamt durchlässiger für Licht und Luft sein. Entfernen Sie niemals mehr als zwei bis drei Blattpaare auf einmal von einem einzelnen Zweig (je nach Größe der Pflanze).

Die richtige Technik: Große Blätter lassen sich normalerweise leicht durch einen sanften Ruck entgegen der Wuchsrichtung abtrennen. Alternativ können Sie eine scharfe Ernteschere verwenden. Wenn Sie Blätter von mehreren Pflanzen hintereinander entfernen, vergessen Sie nicht, die Ernteschere zu desinfizieren, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern.

UNSER TIPP: Beim Indoor-Anbau, bei dem die Lichtquelle stationär ist, stellt die Lichtundurchlässigkeit der Krone meist ein größeres Problem dar als im Freien, wo die Sonne die Pflanzen aus verschiedenen Winkeln beleuchtet. Einige Anbauer lösen dieses Problem, indem sie zu Beginn der Blüte schlecht beleuchtete untere Zweige der Pflanzen entfernen. Die Defoliation ist jedoch nur eine teilweise Lösung, da die unteren Blüten weit von den Anbaulampen entfernt sind und weniger Lichtenergie erhalten. Eine hervorragende Lösung sind zusätzliche LED-Panels, die den unteren Teil der Krone beleuchten. Mit einem vergleichsweise geringen Energieaufwand lassen sich wenig aussichtsreiche, lockere Blüten in harte, kompakte Blüten verwandeln.

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Quellen: (1) Danziger, N., & Bernstein, N. (2021) DOI:10.3390/plants10091834