Stress schadet auch Pflanzen – oder: Abiotischer Stress bei Pflanzen
Mit Pflanzen ist es wie mit Menschen. Ihre Gesundheit hängt von den Lebensbedingungen und der richtigen Ernährung ab, und auch intensiver Stress, alias „Feind der Erträge“, schadet ihnen. Welcher Stress? In diesem Artikel richten wir unsere Aufmerksamkeit genau auf die konkreten Stressfaktoren, denen Ihre Pflanzen auf keinen Fall ausgesetzt sein sollten, damit Sie eine schöne Ernte erwarten können. Lesen Sie, wie Sie negativen Einflüssen vorbeugen können.
Wie der Mensch verfügt auch jede Pflanze über bestimmte genetische Voraussetzungen und eine angeborene Widerstandsfähigkeit. Die moderne Pflanzenpflege verfügt, ähnlich wie die Medizin, über wirksame Mittel zur Stärkung der natürlichen Abwehrmechanismen von Pflanzen sowie über praktische Geräte zur Aufrechterhaltung optimaler Bedingungen für ihr Wachstum und ihre Vitalität.
Sobald eine Pflanze wiederholt oder über längere Zeit hinweg übermäßigem Stress ausgesetzt ist, setzt eine Stressreaktion ein. Die Rezeptoren der Pflanze, beispielsweise Fotosensoren, die auf die Intensität der Lichteinstrahlung reagieren, lösen zunächst eine Art inneren Alarm aus, der sämtliche verfügbaren Abwehrmechanismen aktiviert, mit deren Hilfe die Pflanze weiter überlebt. Diese Resistenzphase übersteht sie nur selten ohne größere Schäden; meistens wird sie geschädigt oder durch Erschöpfung sogar vollständig zerstört, ähnlich wie die Blume auf dem Bild. 
Im Gegensatz zu uns Menschen sind Pflanzen sesshaft. Sie können vor Stressfaktoren weder um die nächste Ecke noch ins Wellnesszentrum fliehen. Deshalb besteht die Aufgabe jedes Growers darin, die Bedingungen so auszubalancieren, dass die Pflanzen, um die er sich kümmert, ruhig und voller Leben sind. Im Folgenden sehen wir uns die häufigsten abiotischen Stressfaktoren an. Aus Sicht des Growers können wir uns darunter Überschwemmung, Nährstoffmangel, eine zu hohe Strahlungsintensität, niedrige Temperaturen und Ähnliches vorstellen. Wie man sagt, schadet alles im Übermaß. Das gilt auch für das Pflanzenreich. Stress kann somit sowohl durch Mangel als auch durch Überfluss verursacht werden. Häufig treten auch mehrere Faktoren gleichzeitig auf. Welken, dessen Hauptursache Wassermangel ist, kann beispielsweise gleichzeitig eine Reaktion auf übermäßige Bestrahlung sein. Die Fähigkeit von Pflanzen, Stress zu tolerieren, hängt vor allem von seiner Intensität und Dauer ab. Hitzestress kann eine Ernte innerhalb kurzer Zeit zerstören. Wassermangel innerhalb weniger Tage...
Physikalische Stressfaktoren
- extrem hohe oder niedrige Temperaturen
- Trockenheit (Wasserdefizit), ebenso wie übermäßiges Gießen oder Überschwemmung
- mechanische Beschädigung
Zu den häufigsten abiotischen Stressfaktoren von Pflanzen gehört ein ungeeignetes Klima. Wenn Sie im Freien (Outdoor) anbauen, müssen Sie sich jedes Jahr besonders während eines heißen Sommers intensiv um die Pflanzen kümmern. Die einzelnen Arten
haben ihr eigenes Temperatur-Optimum, dem wir vor allem beim Anbau in Innenräumen (Indoor) perfekt gerecht werden können. Das Mikroklima in der Growbox oder im Anbauraum lässt sich dank Ventilatoren und Lüftern beziehungsweise Heizungen bequem regeln. Änderungen der Außentemperaturen erfordern jedoch häufig auch eine Änderung der Einstellungen der Elemente im Innenraum. Bei sommerlicher Hitze werden Ihre Pflanzen die Verwendung von CMH oder LED-Beleuchtung aufgrund der geringeren Wärmeabgabe in der Anbauumgebung begrüßen.
Ähnlich zerstörerisch wie Hitze können für Pflanzen auch Kälte oder beim Anbau im Freien (oder in einem großen Gewächshaus im Freien) Frost sein. Unter dem Einfluss niedriger Temperaturen kommt es im Inneren der Pflanzen zu Veränderungen der Zellstrukturen, das Wachstum wird verlangsamt und die Blätter verlieren ihre Farbe. Während Frost und Bodenfrost kommt es zu Gewebeschäden. Besonders kälteempfindlich sind beispielsweise Tomaten oder Bohnen.
Schützen Sie vor Grenztemperaturen immer die Wurzeln ebenso wie die oberirdischen Pflanzenteile.
Im Rahmen der Hydroponik sollten Sie Tanks mit Nährlösung vor direktem Licht schützen und die Temperatur bei 18-26 °C halten. Dabei kann eine Kühlung für Tanks helfen.
Die optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit mithilfe von Luftbefeuchtern und digitalen Messgeräten aufrechtzuerhalten, ist relativ einfach. Viele Anfänger machen jedoch Fehler bei der Platzierung der Sonde eines kombinierten Temperatur – Luftfeuchtigkeitsmessers, der in der Grundausstattung keines Growers fehlen sollte. Wir empfehlen, die Sonde im oberen Drittel der Pflanzenhöhe, also knapp unterhalb der Spitze, zu platzieren. Umluftventilatoren sind ideale Helfer, die für eine kontinuierliche Luftzirkulation um die Pflanzen sorgen. Die höhere Luftfeuchtigkeit, die für Sämlinge benötigt wird, lässt sich bei der Anzucht in kleinen Gewächshäusern und Propagatoren hervorragend aufrechterhalten.
Trockenheit hängt mit einer niedrigeren Luftfeuchtigkeit zusammen und wird im Allgemeinen von Pflanzen mit kürzerem Lebenszyklus besser vertragen. Ein trockenes Substrat ist jedoch eindeutig schlecht, da es die Entwicklung neuer Wurzeln nicht unterstützt. Die Natur hat die Blätter von Pflanzen mit mikroskopisch kleinen Spaltöffnungen ausgestattet, die sich abhängig von der Luftfeuchtigkeit öffnen und schließen. Sobald die Pflanze Trockenheit spürt, schließt sie die Spaltöffnungen, um Wasserverluste zu verhindern. Das Problem für Grower besteht darin, dass geschlossene Spaltöffnungen nicht gerade mit einer effizienten Fotosynthese vereinbar sind. Achten Sie daher während des gesamten Anbauzyklus auf Dehydrierung. Die beste Vorbeugung ist regelmäßige Bewässerung.
Den genannten abiotischen Faktoren beugen auch innovative perforierte Pflanztöpfe der Marke Hercules sowie weitere Stofftöpfe hervorragend vor. Sie unterstützen die richtige Bewässerung und sorgen für eine optimale Belüftung des Wurzelsystems.
Empfohlene Temperatur- und Feuchtigkeitsbereiche für den Indoor-Anbau:
In der Wachstumsphase liegt die ideale Temperatur bei eingeschaltetem Licht bei 21-28 °C, nachts bei 18-23 °C und die Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 70 Prozent. Für die Blütephase und Fruchtbildung wird eine niedrigere Luftfeuchtigkeit von 35-50 % empfohlen, bei Tagestemperaturen von 21-26 °C und Nachttemperaturen zwischen 18-23 °C. Sämlinge profitieren von einer höheren Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 %.

Chemische Stressfaktoren
- Unterversorgung von Pflanzen und Substrat
Die richtige, genauer gesagt reichhaltige Ernährung der Pflanzen ist die Grundlage für eine gesunde und saftige Ernte. Die Möglichkeiten des heutigen Growers sind so vielfältig, dass sich dieser Stressfaktor bei angemessener Pflanzenpflege durch das breite Angebot an Düngern und unterstützenden Zusätzen für die Wachstums- und Blütephase praktisch vollständig beseitigen lässt. Statten Sie sich einfach mit der passenden Nährstoffversorgung aus, damit Pflanzen und Wurzeln nichts fehlt. Auch ein Sauerstoffdefizit kann auftreten. Vergessen Sie daher nicht auf eine ausreichende Belüftung des Substrats zu achten, die beispielsweise durch Perlite ermöglicht wird.
Bei Erde stellt die mit chemischen Prozessen verbundene Versalzung eine weitere Schwierigkeit dar, die auf die Pflanze einwirkt. Die Versalzung der Erde, ob auf natürliche oder künstliche Weise, verringert die Wasseraufnahme.
Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Pflanze keiner hohen Konzentration toxischer Ionen und Schwermetalle wie Quecksilber, Aluminium oder Cadmium ausgesetzt ist. Auch verschmutztes Wasser kann Toxine enthalten. Deshalb ist es wichtig, in welchem Wasser Sie anbauen und mit welchem Wasser Sie gießen. (Das Thema ist so wichtig, dass wir ihm bald einen eigenen Artikel widmen.) Das Vorhandensein von Toxinen beeinträchtigt die Aufnahme von Nährstoffen aus Wasser oder Erde und stört das Mineralgleichgewicht. Schwermetalle gefährden nicht nur unmittelbar das Leben der Pflanze, sondern können die gesamte Ernte völlig unbrauchbar machen!
- Verschmutzte Luft
So wie Toxine aus dem Boden wirken können, nehmen Pflanzen und landwirtschaftliche Nutzpflanzen viele Schadstoffe (vor allem beim Outdoor-Anbau) aus der Luft auf, was ihnen selbstverständlich schadet. Dabei geht es vor allem um Sauerstoffradikale wie Ozon, dessen Überschuss in der Umgebung grüner Pflanzenteile die Alterungsprozesse deutlich beschleunigt. Neben Ozon sind Grower auch den Einflüssen von Schwefeldioxid, Ammoniak und Stickoxiden ausgesetzt.
- Lichtüberschuss
Auch eine übermäßige Lichtmenge trägt zur Bildung von Sauerstoffradikalen bei. Die Folge ist die Zerstörung des Chlorophylls. Vereinfacht gesagt: In der Growbox oder im Gewächshaus sollten Sie es mit der Beleuchtung nicht übertreiben. Im Freien gilt es wiederum, gärtnerische Instinkte mit Informationen über die angebauten Pflanzen zu verbinden und ihnen auf dieser Grundlage eine angemessene Exposition zu ermöglichen.

Wir hoffen, dass Ihnen die für die Lektüre aufgewendete Zeit dabei hilft, in der Praxis häufige Fehler zu vermeiden, unter denen Pflanzen und Geldbeutel leiden, und wünschen Ihnen, dass Ihre Pflanzen bestmöglich gedeihen! Wenn Sie uns etwas fragen möchten, sind wir jeden Tag für Sie da. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie an info@higarden.de, damit der Anbau mit uns für Sie eine wahre Freude ist.
- Perlite
- LED-Beleuchtung
- CMH-Beleuchtung
- Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmesser
- EC- / pH-Messgeräte